Antworten der Parteien zu unserem Fragebogen – Teil 1 ÖVP und NEOS

Liebe Mitglieder des Verbandes der Apartmentvermieter,

in den vergangenen Wochen haben wir allen im Parlament vertretenen Parteien einen Fragebogen zu politischen Themen geschickt, die unsere Branche betreffen. Unser Ziel war es, euch vor der Wahl einen Überblick über die Positionen der Parteien zu geben, die für unsere Anliegen relevant sind.

Heute möchten wir euch informieren, dass wir von den meisten Parteien Rückmeldungen erhalten haben. Leider haben SPÖ und FPÖ trotz mehrerer Kontaktversuche nicht reagiert. Von den Grünen haben wir zunächst erfahren, dass der Fragebogen gerade ausgearbeitet wird – bis heute ist jedoch keine Antwort eingelangt.

Die eingegangenen Antworten der übrigen Parteien werden wir euch in zwei separaten E-Mails zukommen lassen, damit alles übersichtlich bleibt und gut lesbar ist. Wichtig: Wir geben die Antworten im Originalwortlaut wieder, ohne redaktionelle Bearbeitung oder inhaltliche Kommentierung durch den Verband.

Wir danken den Parteien, die sich die Zeit genommen haben, unsere Fragen zu beantworten, und hoffen, euch damit eine hilfreiche Informationsgrundlage zu bieten.

Herzliche Grüße,
Dein VDAV-Team

**ÖVP**

1. **Wie definieren Sie den Begriff „Kurzzeitvermietung“?**

Kurzzeitvermietung ist die zeitlich befristete Vermietung von Wohnraum – meist für touristische Zwecke – über Plattformen wie Airbnb, in der Regel für wenige Tage bis Wochen.

2. **Was sagen Sie einem jungen Paar mit Schulkind, das vor einigen Jahren – auf Grundlage der damals klaren gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie der ausdrücklichen Zusage des Bauträgers – eine Eigentumswohnung in Wien erworben hat? Die Finanzierung dieser Wohnung war nur durch die Möglichkeit der erlaubten Kurzzeitvermietung tragbar. Diese wurde nicht nur vom Bauträger bestätigt, sondern auch von Banken als sinnvolle Investition beworben. Das Ziel: Ihrem Sohn mit 18 Jahren ein eigenes Zuhause zu ermöglichen. Heute stemmt die Familie die laufenden Kreditraten durch Kurzzeitvermietung. Was sagen Sie diesen Eltern – wenn sich die Spielregeln plötzlich geändert haben?**

Wir verstehen die Sorgen von Familien, die auf Basis der damaligen gesetzlichen Rahmenbedingungen und Zusagen investiert haben. Es ist entscheidend, dass bestehende Investitionen geschützt und nicht durch nachträgliche Gesetzesänderungen entwertet werden. Die ÖVP Wien setzt sich für klare, faire und verlässliche Regelungen ein, die sowohl den Wohnraumschutz als auch die berechtigten Interessen von Eigentümern berücksichtigen.

3. **Wie erklären Sie, dass in anderen Bundesländern die Kurzzeitvermietung nicht nur erlaubt, sondern teils sogar aktiv gefördert wird – während sie in Wien zunehmend eingeschränkt wurde?**

Die Wiener Stadtregierung agiert ideologisch statt lösungsorientiert. Wir fordern einen ausgewogenen Zugang, der Tourismus, Wohnraum und Eigentümerinteressen miteinander in Einklang bringt.

4. **Wie beurteilen Sie die politische Praxis, Bürgerinnen und Bürger dazu aufzurufen, ihre Nachbarn zu melden – und damit eine Spaltung der Gesellschaft in Kauf zu nehmen, insbesondere in einer ohnehin bereits stark polarisierten Zeit?**

Denunziation ist kein politisches Instrument, sondern spaltet die Gesellschaft. Gerade in polarisierten Zeiten braucht es Zusammenhalt, nicht Misstrauen. Die Wiener Volkspartei lehnt solche Aufrufe klar ab und setzt sich für einen respektvollen und solidarischen Umgang innerhalb der Gemeinschaft ein.

5. **Sehen Sie eine Zukunft für die Kurzzeitvermietung in Wien, in der auch kleine Betriebe weiterhin tätig sein können – und nicht nur große Konzerne und institutionelle Anbieter profitieren?**

Ja. Aber nur, wenn faire Rahmenbedingungen geschaffen werden. Kleine Anbieter dürfen nicht verdrängt werden. Wir fordern klare Regeln, Rechtssicherheit und transparente Kontrollen – damit auch Private eine Perspektive haben, nicht nur Großanbieter.

Mit freundlichen Grüßen,
Peter Sittler

**NEOS**

1. **Wie definieren Sie den Begriff „Kurzzeitvermietung“?**

Nach der Wiener Bauordnung liegt eine Kurzzeitvermietung vor, wenn Wohnraum entgeltlich an wechselnde Gäste überlassen wird – das jeweils für eine Aufenthaltsdauer von höchstens 30 Tagen.

2. **Was sagen Sie einem jungen Paar mit Schulkind, das vor einigen Jahren – auf Grundlage der damals klaren gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie der ausdrücklichen Zusage des Bauträgers – eine Eigentumswohnung in Wien erworben hat? Die Finanzierung dieser Wohnung war nur durch die Möglichkeit der erlaubten Kurzzeitvermietung tragbar. Diese wurde nicht nur vom Bauträger bestätigt, sondern auch von Banken als sinnvolle Investition beworben. Das Ziel: Ihrem Sohn mit 18 Jahren ein eigenes Zuhause zu ermöglichen. Heute stemmt die Familie die laufenden Kreditraten durch Kurzzeitvermietung. Was sagen Sie diesen Eltern – wenn sich die Spielregeln plötzlich geändert haben?**

Die Sorgen der Familie sind nachvollziehbar. Gerade deshalb war es uns wichtig, eine ausgewogene Lösung zu finden, die die flexible Nutzung von Wohnraum weiterhin ermöglicht: Durch die Bauordnungsnovelle bleibt die Kurzzeitvermietung bis zu 90 Tage im Jahr weiterhin möglich. Mit einer Ausnahmebewilligung sind auch längere Vermietungen erlaubt. Damit bleibt das ursprüngliche Nutzungskonzept weiterhin erhalten.

3. **Wie erklären Sie, dass in anderen Bundesländern die Kurzzeitvermietung nicht nur erlaubt, sondern teils sogar aktiv gefördert wird – während sie in Wien zunehmend eingeschränkt wurde?**

Der Wohnbau in der Stadt hat das vorrangige Ziel, Wohnraum für die Bevölkerung sicherzustellen. Um sicherzustellen, dass alternative Nutzungsformen wie Kurzzeitvermietungen nicht zulasten der Wohnbevölkerung gehen, haben wir klare gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen. Mit einem laufenden Monitoring und regelmäßiger Evaluierung der Regelungen können wir diese bei Bedarf jederzeit an neue Gegebenheiten anpassen.

4. **Wie beurteilen Sie die politische Praxis, Bürgerinnen und Bürger dazu aufzurufen, ihre Nachbarn zu melden – und damit eine Spaltung der Gesellschaft in Kauf zu nehmen, insbesondere in einer ohnehin bereits stark polarisierten Zeit?**

Wir setzen auf verantwortungsvolles Handeln. Um Missbrauch konsequent auszuschließen, werden alle Meldungen sorgfältig geprüft.

5. **Sehen Sie eine Zukunft für die Kurzzeitvermietung in Wien, in der auch kleine Betriebe weiterhin tätig sein können – und nicht nur große Konzerne und institutionelle Anbieter profitieren?**

Mit uneingeschränkter Kurzzeitvermietung von bis zu 90 Tagen im Jahr bleibt es weiterhin möglich, den eigenen Wohnraum flexibel zu nutzen. Unser Ziel ist klar: Wir wollen die freie Verfügung über Wohnraum sowie wirtschaftliche Chancen für Privatpersonen und kleine Betriebe sichern, ohne dass Wohnungen dauerhaft dem regulären Markt entzogen werden.


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